Aktuelle Sonderausstellung

Noch wenige Tage, dann...
...erkunden wir Material und Form, Beweglichkeit und Veränderlichkeit, räumliche Präsenz und unerwartete Veränderungen von Perspektiven und Sichtweisen!
Im Zusammenhang mit Blei an Bewegung zu denken, ist wohl nicht besonders naheliegend. Viel wahrscheinlicher ist es wohl, dass zunächst Attribute wie schwer und weich, ja sogar giftig in den Sinn kommen.
Möglicherweise waren es aber genau diese Charakteristika, die das künstlerische Interesse Günther Bergers an diesem Material weckten, nachdem er sich in den Jahren zuvor, genauer gesagt seit den 1960er Jahren, dem plastischen Gestalten über das Zusammenschweißen von Eisenstücken oder durch das formgebende Treiben von Aluminium annäherte. Von 1970 an war es dann die Verwendung von verschiedensten Papieren, die ihn zu wunderbaren Collagen inspirierte.
Erst ab 1979 definierten Bleiobjekte sein plastisches Empfinden und sein Suchen nach künstlerischem Ausdruck in der räumlichen Präsenz. War es zuerst noch die Strenge und Linienbezogenheit allgemeiner geometrischer Formen, die er ausprobierte, so löste er sich seit 1986 wieder davon ab, begann sich möglicherweise der „Weichheit“ und der reichen Formbarkeit von Blei bewusst zu werden. Folgerichtig ließ er die geometrische und strenge Klarheit zugunsten von polymorphen, also vielgestaltigen Formspielen mehr und mehr hinter sich. Die Linienführung wurde weicher und unregelmäßiger. Mit der beweglichen Verbindung einzelner Formelemente erreichte er dann eine außerordentliche Steigerung seiner plastischen Möglichkeiten. Über die Veränderbarkeit der Teile und ihrer Lage im Raum spielte er mit der Erscheinungsform der Objekte. So erzeugte er vieldeutige und spannungsvolle Werke, die zur permanenten Veränderung und dem damit gewonnenen Perspektivwechsel animieren.
Auf diese spannungsvollen Wandlungen fokussiert diese Präsentation ausgewählter Werke aus dem künstlerischen Nachlass Günther Bergers. Auf Vermittlung seines Bruders Gottfried wurde dieses Konvolut 2016 durch Clemens Berger, den Sohn des Künstlers als Schenkung an die Stiftung Kunstsammlung der Diözese Würzburg übereignet. Als Zeichen der Wertschätzung für diese großherzige Schenkung zeigt das MAD nun Teile daraus erstmals in seinen Räumen.
Angelegt als eine Art Schaudepot werden ausgewählte Arbeiten in einem Regal präsentiert, wo sie nebeneinander betrachtet und miteinander verglichen werden können.
INTERAKTIVES BEGLEITPROGRAMM
KUNST GEMEINSAM ERLEBEN
Außerdem, und das ist die Besonderheit, werden im wöchentlichen Wechsel, immer mittwochs, um 12:30 Uhr, Arbeiten aus dem Regal genommen und auf einzelne Sockel platziert, wo sie unter Mitwirkung interessierter Besucher*innen in verschiedene Zustände gebracht werden können. Der partizipative Charakter dieser Veranstaltungen lässt Menschen in besonderer Weise teilhaben am musealen Geschehen und bereichert die Ausstellung vor allem durch die breiter angelegte, eben nicht nur kuratorische Sicht auf die Objekte Bergers und die im Umfeld sich befindlichen Kunstwerke der Dauerausstellung.
Die Objekte werden erlebbar und im wahrsten Sinne begreifbar. Dabei schaffen sie einen niederschwelligen und erhellenden Zugang zum Verständnis von plastischen Arbeiten unter Berücksichtigung von Material und Form, Beweglichkeit und Veränderlichkeit, räumlicher Präsenz und Bezügen mit anderen Kunstwerken. Sie bewirken und ermöglichen unerwartete Veränderungen von Perspektiven und Sichtweisen.
Termine zum Mitmachen:
4.,11., 18., 25. Februar
4.,11., 18., 25. März
Uhrzeit: jeweils 12:30 Uhr
Dauer ca. 30 Minuten, 1 €
Biografie
Günther Berger
* 1929 in Theresienfeld, CZE
† 2014 in Frankfurt/Main
Nach einer Ausbildung an der Holzschnitzschule Bischofsheim besuchte er von 1949 - 1950 die Kunst- und Handwerkerschule in Würzburg
1950 - 1957 folgte das Studium der Bildhauerei am Städel, Hochschule der Bildenden Künste in Frankfurt/Main, wo er Meisterschüler bei Hans Mettel war.
Nach dem Studium beschäftigte er sich in den sechziger Jahren v. a. mit geschweißten Eisenplastiken. Danach folgten Plastiken aus getriebenem Aluminium und Arbeiten in Papier. Ab 1979 wurde Blei zum Material seiner Wahl. Zunächst schuf er Plastiken in geometrischen Formen, ab 1986 schließlich entwickelte er seinen Stil und erweiterte sein künstlerisches Spektrum um bewegliche Bleiplastiken.
Gemeinsam mit dem Würzburger Maler Dieter Stein, mit dem er ein enges künstlerisches Verhältnis pflegte, entstanden von 1977 bis 1999 umfangreiche Gruppen von Collagen.
1958 erhielt er ein DAAD Reisestipendium für Italien, wo er sich 1960 nochmal als Stipendiat der Villa Massimo in Rom vervollkommnen durfte.
Arbeiten von ihm befinden sich in zahlreichen Sammlungen, unter anderem in der Städtischen Galerie im Städel, Frankfurt/Main, der Städtischen Galerie Würzburg, dem Kunstarchiv Kaiserswerth, Düsseldorf, der Städtischen Sammlung Neu-Ulm, der Sammlung Bahnhof Rolandseck und dem Kunst- und Literaturarchiv Insel Hombroich, Neuss.
Arbeiten im öffentlichen Raum finden sich u. a. in Frankfurt, Hanau, München, Marburg, Gießen, Bad Homburg, Wiesbaden, Fulda u.a.
Überblick über alle Veranstaltungen unter "Programm"