Zur Krippe her kommet! – Krippen aus fränkischen Klöstern | Museum am Dom Würzburg, 2.12.2017 bis 28.1.2018


Über die Ausstellung

Führungen und Information

Dieses Jahr verließen die Franziskaner Dettelbach, in das sie vor über 400 Jahren gekommen waren, um die Wallfahrt zu betreuen. Eine lange Tradition klösterlicher Kultur und Frömmigkeit fand damit ihr Ende. Die Klostergebäude und einen Großteil des Kunstinventars übernahm die Diözese Würzburg. Unter den Kunstwerken des Klosters befindet sich auch eine Krippe, deren Ensemble weit in das 19. Jahrhundert hinein zurückreicht. Vom 1. Advent an soll nun diese Krippe im Museum am Dom präsentiert werden, zusammen mit anderen Krippen klösterlicher Herkunft.

Als Mittel zur Glaubensunterweisung setzten erstmals die Jesuiten im Zuge der katholischen Reform am Ende des 16. Jahrhunderts Krippen ein, um den Gläubigen in leicht zugänglicher, spielerischer Weise das Geheimnis der Menschwerdung Gottes vor Augen zu führen. Dies entsprach letztlich der Hochschätzung des Theaters und des liturgischen Schauspiels durch diesen Orden. So werden Krippen, deren definierendes Moment die mobile, zeitlich begrenzte szenische Präsentation ist, auch als „gefrorenes“ Theater bezeichnet. Dahinter steht die überzeugung, dass Gesehenes sich weit nachhaltiger einprägt als nur Gehörtes.

In den fränkischen Kirchen sind Krippen seit der Zeit um 1650 nachzuweisen, wo sie alsbald zum unverzichtbaren Element der Ausstattung gehörten. Ausgehend von der Weihnachtsgeschichte wurden auch die anderen Feste des Kirchenjahrs in das Medium der Krippe umgesetzt. Diese Krippenkultur wurde ebenso in den Klöstern bzw. den von ihnen betreuten Kirchen gepflegt. Nachrichten darüber sind für den fränkischen Raum in den zugänglichen Quellen allerdings kaum zu greifen. Ein von dem Astheimer Kartäuser Albergatus Mauer gefertigter Krippenkasten – dessen Figuren jedoch verloren sind – gehört zu den seltenen erhaltenen Belegen.

Die Säkularisation und der übergang der fränkischen Territorien an Bayern brachte für das Krippenwesen einen doppelten Einschnitt. Zum einen fanden die Klöster ihr Ende und ihr Besitz wurde zerstreut; zum andern bekämpften Beamte und Geistliche die Krippen grundsätzlich. Durch den Fortschritt in der religiösen Aufklärung bedürfe es „solcher Vehikel zur religiösen Aufklärung und Belehrung nicht mehr“. 1803 erging die Anweisung der Regierung, künftig die Aufstellung von Krippen in den Kirchen nicht mehr zu gestatten. Erst 1825 wurde das Verbot rückgängig gemacht. Zu dieser Zeit hielten die Krippen bereits zunehmend Einzug in die Privathaushalte und wurden unverzichtbarer Bestandteil eines sentimental gestimmten familiären Weihnachtsfestes.

Es sind vor allem Krippen aus Klöstern der Franziskaner und der Kapuziner, die heute im Bereich der Diözese Würzburg noch erhalten sind. Sie bezeugen das Gespür dieser Orden für eine sinnenhafte, niederschwellige Katechese mithilfe dieser Figurenensembles, die immer aber auch temporäre Andachtsbilder in den Kirchen bildeten. In der Ausstellung werden neben dem Krippenensemble aus dem Franziskanerkloster Dettelbach auch die Krippen aus dem Kapuzinerkloster Karlstadt und aus dem Kapuzinerkloster Aschaffenburg gezeigt. Auch ein Teil der Krippe des Franziskanerklosters Schönau, die sich heute in Gemünden befindet, soll präsentiert werden. Die Würzburger wird besonders freuen, dass die Krippenfiguren des Käppele, die ebenfalls den Kapuzinern zu verdanken sind, vollzählig zu sehen sein werden.

Die Entstehungszeit der Figuren dieser Krippen spannt sich vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in das frühe 20. Jahrhundert. Figurinen mit Wachsköpfen finden sich ebenso wie solche mit geschnitzten Holzköpfen, jeweils textil bekleidet. Die Figuren des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts sind dann vollständig aus Holz geschnitzt. Die Szenerien spannen sich von der Verkündigung an Maria bis zur Himmelfahrt Christi. Zu den mehrere Hundert zählenden Figuren in phantastischen Kulissen gesellen sich neben wilden Tieren Schafund Rinderherden, Pferde und Kamele sowie, garantiert, mindestens fünf Elefanten.

Vom 2. Dezember 2017 bis zum 28. Januar 2018 erwartet die Besucherinnen und Besucher des Museums am Dom so eine stimmungsvolle Ausstellung, die den Blick öffnen will für eine Gattung von Bildwerken, die daraufhin angelegt sind, nicht den Verstand, sondern das Gemüt zu berühren.

Informationen zur Ausstellung

Über die Ausstellung

Öffnungszeiten Museum

Di, Mi, Fr, Sa, So 10 bis 17 Uhr
Do 10 bis 20 Uhr

Führungen durch die Ausstellung „Zur Krippe her kommet!“

So 10.12. 15.00 Uhr
Führung

Di 12.12. 19.30 Uhr
Kuratorenführung mit Dr. Wolfgang Schneider

So 17.12. 15.00 Uhr
Führung

Fr 29.12. 17.00 Uhr
Atmosphärische Abendführung durch die Krippenausstellung
mit Glühwein/Kinderpunsch und Gebäck

Sa 30.12. 15.00 Uhr
Führung

Mi 17.1. 14.00 Uhr
Führung für Senioren

Sa 20.1. 15.00 Uhr
Führung für Großeltern und Enkel

So 21.1. 15.00 Uhr
Kuratorenführung mit Dr. Wolfgang Schneider

Weitere Führungen und Veranstaltungen im Dezember

Sa 09.12. 15.00 Uhr im Museum am Dom
„Alle Jahre wieder – die Weihnachtsgeschichte in Bildern“ - Führung für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren
Zuerst erforschen die Kinder den Würzburger Domschatz und erfahren viel über die Lebensgeschichte des Heiligen Nikolaus. Was gibt es dort an Kostbarkeiten zu sehen? Anschließend besucht der Heilige Nikolaus den Domschatz. Anmeldung erforderlich unter Museum am Dom, Tel. 0931-386 65 600.

Mi 13.12. 14.00 Uhr im Museum am Dom
„Alle Jahre wieder – die Geburt Christi in der Kunst“ - Führung für Senioren
In der Führung zeigt Julia Pracher, M.A. ausgewählte Stücke zur Geburt Christi vom Barock bis in die Neuzeit. In Zusammenarbeit mit der Seniorenvertretung der Stadt Würzburg.

Fr 5.1. 19.30 Uhr
"Die Geburt Christi, die Hebammen, die Hirten und der Stern"
Lesung mit Meinolf Steiner

Fr 12.1. 19.30 Uhr
"Das Jesuskind: Frommer Kitsch oder role model?"
Vortrag von Sr. Dr. Katharina Ganz OSF, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen

Eintritt

Einzelkarte: 4 €, ermäßigt: 3 €

Kombikarte für Museum am Dom und Domschatz:
5 €, ermäßigt: 4 €

Gruppenführungen (bis 35 Personen):
60 € + 3 € je Teilnehmer

Führungen für Schulklassen (maximal 35 Schüler + 2 Begleitpersonen): pauschal 60 €

Ermäßigungen gelten für Schüler, Studenten, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, jeweils mit Berechtigungsausweis; Gruppen ab 15 Personen; Besucher, die mit der Bahn angereist sind.

Freunde des Museums am Dom e.V. erhalten freien Eintritt.

Anmeldung zu Führungen unter

Museum am Dom
Kiliansplatz 1
97070 Würzburg
Telefon 0931- 386 65 600
und 0931- 386 65 601
Telefax 0931-386 65 609
www.museum-am-dom.de
museen@bistum-wuerzburg.de