JAKOB - Jacque Gassmann 18.07.2014 bis 28.09.2014 | Museum am Dom Würzburg


Über die Ausstellung

Begleitprogramm und Information

Jaques Gassmann ist in Würzburg kein Unbekannter. Er gehört zu den Künstlern, die dem Kunstreferat der Diözese schon lange verbunden sind. In mehreren Kirchen des Bistums sind seine Arbeiten in Form von Altartafeln und -wänden oder von gestalteten Orgelprospekten zu finden, allen voran im Kiliansdom und in der Neumünsterkirche in Würzburg, aber auch in Baunach am Rande des Bistums oder in Schwarzenau am Main.

Seit einigen Jahren hat der 1963 geborene Künstler sogar Wohnung und Atelier im Erbachshof bei Eisingen bezogen. Grund genug also Jacques Gassman nun erstmals eine Einzelausstellung im Museum am Dom zu widmen, die dieser auch selbst kuratiert hat. Wie schon der Titel offenbart, hat die Ausstellung einen sehr persönlichen Charakter, Jakob ist der Taufname von Jacques Gassmann! Seine Eltern nennen ihn immer noch so, doch seit einem Frankreichaufenthalt in den Jahren 1969 bis 1977 ist ihm unter seinen Brüdern der Rufname Jacques geblieben, weshalb er ihn auch als Künstlername angenommen hat.

Die Ausstellung zeigt, wie sich der Künstler in seinen Arbeiten mit existentiellen Fragen nach Identität, Familie und Zugehörigkeit sowie nach persönlichen Zweifeln und der Suche nach dem Lebenssinn auseinandersetzt. Entsprechend dieser biografischen Folie empfangen den Besucher der Ausstellung an einer Wand im Zwischengeschoss eine ganze Reihe von Zeichnungen des etwas über 20jährigen, also aus den Jahren um 1985. Sie stehen am Beginn des künstlerischen Weges von Jacques Gassmann. 1985 war auch ein erstes Gemälde des Autodidakten im Haus der Kunst in München zu sehen. Die Tuschezeichnungen haben aufgrund ihres Formates sowie der flüchtig hingeworfenen Motive einen eher intimen Charakter und dokumentieren somit die Suchbewegung des noch am Beginn seiner Karriere stehenden Künstlers. Diesem Konvolut ist ein dreiteiliges Fenster zur Seite gestellt, das erst heuer entstanden ist. Einerseits dokumentiert die „Zeichnung“ auf dem Glas die Kontinuität im Werk von Jacques Gassmann, andererseits aber auch dessen Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten. Die beinahe 3 x 4 Meter messende Fläche beherrscht er souverän durch seinen zeichnerischen Duktus, gekonnt setzt er farbliche Akzente, die die Verbindung zu seinen Gemälden herstellen.

Auf Wunsch von Jacques Gassmann wurde das Zwischengeschoss, wo sonst vor allem Arbeiten auf Papier zu sehen sind, nochmals abgetrennt um einen abgedunkelten Raumbereich zu schaffen. Hier „stehen“ vor einer roten, schräg in den Raum gestellten Wand Beispiele aus dem Werkkomplex seiner „Viriditas“-Bilder. Diese sind seit 1996 entstanden. Der lateinische Begriff „viriditas“ geht auf die hochmittelalterliche Nonne, Mystikerin und Gelehrte Hildegard von Bingen zurück. Sie bezeichnete damit eine Grundkraft, die der gesamten Natur innewohnt, und für jede Heilung unabdingbar ist. Hildegard von Bingen führte deren Ursprung auf die „grünende Schöpferkraft Gottes“ zurück. Zu dieser Serie der Darstellungen von Heilkräutern im intimen Format von 40 x 60 cm sind als Installation vier Kästen beigestellt, deren Oberseite der Künstler umrissartig nach seinen Zeichnungen hat einschneiden lassen. Darin befinden sich ebenfalls „Viriditas“-Bilder jedoch mit Motiven der menschlichen Anatomie. Deren Betrachtung wird durch beigegebene Kräuter zu einem synästhetischen Erlebnis. Sämtliche Bilder des „Viriditas“-Komplexes sind in der von Jacques Gassmann entwickelten und auch patentierten „Ogrody“-Technik entstanden. Die Bezeichnung geht auf den polnischen Begriff für Garten zurück. Seit 1990 experimentiert der Künstler mit Tinte, die bereits der Grundstoff seiner Zeichnungen war. Jacques Gassmann erhebt diese damit zu dem Material seiner Gemälde und kann somit neue Wege beschreiten, die seinen Werken – auch den großformatigen – eine außergewöhnliche Leichtigkeit und Transparenz gibt.

Die Stirnwand der unteren Ausstellungshalle nimmt die fünfteilige Arbeit „Der Fremde“ ein, die mit 150 x 750 cm friesartig angelegt ist. Sie reflektiert die Camus-Lektüre des 16jährigen und damit dessen Sinnsuche, gehört doch der 1942 erschienene Roman „Der Fremde“ von Albert Camus zu den Schlüsselwerken des Existenzialismus. Für Jacques Gassmann ist dieses Werk ein „Zentralbild“ der Ausstellung. Diesem gegenüber sind Arbeiten aus dem Werkzyklus „Diasporen“ angebracht. Auch dies ist eine Wortschöpfung des Künstlers, nämlich die Pluralbildung von „Diaspora“, was zu deutsch „Zerstreuung“ heißt. Es sind mit Tusche auf Papier angelegte Bilder des Menschen in unterschiedlichen Formaten, mitunter auch auf Karton. Wie schon der Fries zu Camus, so reflektieren diese Arbeiten auch die Frage des Künstlers nach dem Wesen des Menschen. Die Arbeiten schweben frei vor der Wand und überschneiden sich mitunter gegenseitig. Bewusst suchte Jacques Gassmann diese „ortlose“ Hängung, wie er sie nennt. Die Bilder ohne Rahmen und ohne Glas zu zeigen und damit auch ohne Schutz, war seine Intention.

Die weiteren Arbeiten im Raum entfalten den Titel der Ausstellung. Es ist zum einen der rätselhafte Kampf des alttestamentlichen Patriarchen Jakob mit dem Engel Gottes sowie dessen Traumvision von der Himmelsleiter, auf der Engel auf- und niedersteigen. Vor allem das Bild der nach oben strebenden Leiter wird jedem Besucher der Ausstellung sofort ins Auge fallen. Daneben sind drei Arbeiten zu Engeln zu finden, deren getuschte Oberfläche der Künstler dem Frost ausgesetzt hat und somit eine kristalline Bildoberfläche erreichte. Kunst und Natur haben sich hier ineinander verschränkt und neue Möglichkeiten eröffnet. Zum anderen finden sich Gemälde, die das Thema des Weges, vor allem auch des Jakobsweges, aufgreifen. Sie gehören in die Werkgruppe der „Coasts“, die seit 1999 mit Hilfe von Satellitenbildern entstehen. Die Küstenabschnitte sind dabei mehr als nur geografische Abbildungen, es sind auch Suchwege und Seelenlandschaften, die mitunter in ungeahnt kräftigen und leuchtenden Farben hervortreten.

Die Ausstellung schlägt einen Bogen von den frühen bis hin zu aktuellen Arbeiten, sie zeigt aber jenseits jeder Bemühung um Abbildlichkeit die Suche des Künstlers nach dem, was existentiell ist und was im Leben trägt und Sinn macht. Jacques Gassmann bleibt hier seinem Namensvetter Jakob, dem Patriarchen des Alten Testamentes, über die Zeiten hinweg verwandt.

Begleitprogramm und Information

Über die Ausstellung

Samstag 19.07. | 15:00 UhrFührung für Kinder ab 6 Jahren
Telefonische Anmeldung erforderlich unter 0931-386 65 600.

Sonntag 20.07. | 15:00 UhrFührung

Donnerstag 24.07. | 19:30 UhrFührung

Sonntag 03.08. | 15:00 UhrFührung

Sonntag 17.08. | 15:00 UhrFührung

Mittwoch 20.08. | 14:00 UhrFührung für Senioren
In Zusammenarbeit mit der Seniorenvertretung der Stadt Würzburg.

Samstag 13.09. | 15:00 UhrFührung für Kinder ab 6 Jahren
Telefonische Anmeldung erforderlich unter 0931-386 65 600.

Sonntag 14.09. | 15:00 UhrFührung

Sonntag 21.09. | 16:00 UhrLiterarische Führung mit Frank Schablewski

Sonntag 28.09. | 10:30 UhrSonntagsdialog
Sonntägliche Bildbetrachtung mit Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen

Sonntag 28.09. | 15:00 UhrFührung

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag
10.00 - 18.00 Uhr
Montags geschlossen
Geöffnet an Mariä Himmelfahrt

Preise

Eintritt € 3,50
ermäßigt € 2,50 (auch bei Vorlage eines DB-Fahrscheins)

Kombikarte € 4,50 (Museum am Dom und Domschatz)
ermäßigt € 3,50
Verbundkarte € 7,50
(Domschatz, Museum am Dom, Museum im Kulturspeicher und Mainfränkisches Museum)

Informationen und Buchung von Gruppenführungen

Telefon 0931-386 65 600
Telefax 0931-386 65 609
museen@bistum-wuerzburg.de