Albert Schilling – wahrnehmen. Veröängert bis 10.1.2016 | Museum am Dom Würzburg


Über die Ausstellung

Begleitprogramm und Information

Der Schweizer Bildhauer Albert Schilling (1904 – 1987) schuf eines seiner Hauptwerke für den Würzburger Kiliansdom und doch ist sein Name wohl nur wenigen Einheimischen bekannt: Zwischen 1963 und 1967 entstand die Ausstattung des Altarbezirks in der Vierung sowie des Chors im Atelier von Albert Schilling in Arlesheim bei Basel. Trotz mancher Veränderungen, die bereits wenige Jahre nach der Domweihe von 1967 einsetzten, ist der Altarbezirk mit Altar, Ambo und Sakramentshaus nach wie vor das Zentrum der Kathedralkirche. Die bildhauerische Gestaltung Schillings hat wesentlichen Anteil daran.

Nun hat sich die Familie Schilling entschlossen, mehrere Dutzend Arbeiten des Bildhauers in die Kunstsammlungen der Diözese zu stiften. Albert Schilling wurde 1904 in Zürich geboren. Er ist somit gleich alt wie Friedrich Press, dessen Nachlass die Kunstsammlungen der Diözese Würzburg bereits verwahren. Nach der Matura, dem schweizerischen Abitur, studierte Schilling zunächst Kunstgeschichte in seiner Heimatstadt, bevor er zum Theologiestudium an das Priesterseminar Luzern ging. Seine Erfüllung fand er jedoch erst in der Bildhauerei, die er mit einem Studium an der Berliner Hochschule für Bildende Künste 1930 bis 1932 aufnahm. Albert Schilling eröffnete im Anschluss daran ein Atelier in Zürich, bevor er sich über Stans, der Heimat seiner Frau, schließlich in Arlesheim niederließ. Bereits früh erhielt er für sein Schaffen öffentliche Aufmerksamkeit in Form von Stipendien und Einladungen zu Ausstellungen. Relativ unbehelligt vom Zweiten Weltkrieg, der die Schweiz ja nicht unmittelbar ergriff, konnte der junge Bildhauer bereits damals Aufträge für Kirchen ausführen. Aufträge für Sakralräume wie auch für kirchliches Gerät hatten in allen Phasen seines Schaffens eine große Bedeutung für Albert Schilling. Sie waren für ihn nicht nur reiner Broterwerb, sondern existentielle Auseinandersetzung mit Lebensthemen. So äußerte sich der Künstler, der auch ein Meister des Wortes war, im Jahr 1962 zur Problematik, eine gültige und zeitgemäße Darstellung des Kreuzes zu schaffen: „Was soll man hier mit skulpturalen Problemen? Entscheidend sind allein Echtheit und Unmittelbarkeit“.

In den 1950er Jahren hatte sich Albert Schilling auf dem Hintergrund dieses Credos von gegenständlichen Darstellungen weitgehend gelöst und fand zu abstrakten Gestaltungen, die für ihn zeitlebens bestimmend bleiben sollten. Anregungen haben ihm hier – wie bei Künstlern aller Zeiten – Reisen geliefert. So notierte er etwa im April 1960 in Marokko, „Die ganze Landschaft ist ein gewaltiges, farbiges Relief.“ Formen aus der belebten und unbelebten Natur spielten für sein Werk eine große Rolle. Auch die Auseinandersetzung mit der Kunst vergangener Epochen war für einen Menschen seines Intellektes essentiell, zum Beispiel die Beschäftigung mit der Kunst Ägyptens. Mit einem Augenzwinkern bemerkte er dazu 1962 in Assuan: „Die Bildhauer sollten in jungen Jahren nach Ägypten fahren, um frühzeitig den Respekt oder gar die Angst vor großen Steinen zu verlieren.“ Seine Arbeiten für den Dom beweisen, dass er diese Angst für sich überwunden hatte. Wie für viele Bildhauer seiner Generation blieb der englische Kollege Henry Moore (1898 –1986) für ihn Vorbild und Bezugsgröße. Bei einem Besuch der Documenta 3 in Kassel 1964 notierte er nach der Betrachtung der Skulptur „Locking Piece“: „Das entscheidende Erlebnis vor einer Skulptur ist nicht Ergriffenheit, sondern die erschütternde Erfahrung der sicht- und tastbaren Wirklichkeit intensivsten Daseins in sich selbst.“ Eine Aussage, die in ihrer eleganten Formulierung, die Tiefsinnigkeit des Künstlers erahnen lässt.

Es ist daher ein großes Glück für die Kunstsammlungen der Diözese Würzburg, dass sie nun diesen bedeutenden Zuwachs an Werken eines der wichtigsten Bildhauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum erhält. Die Ausstellung im Museum am Dom wird diese Arbeiten unmittelbar nach Übergabe der Stiftung erstmals in Würzburg der Öffentlichkeit vorstellen. Dreh- und Angelpunkt bei den gestifteten Arbeiten ist natürlich der Auftrag für den Würzburger Kiliansdom. Zwar sind auch einige frühere Arbeiten darunter, aber die Stiftung und damit die Ausstellung konzentrieren sich weitgehend auf die letzten beiden Jahrzehnte im Schaffen Albert Schillings. Dessen Spätwerk ist von Barbara Reinhard als „Essenz seines Schaffens“ bezeichnet worden, wobei sie die Klarheit und Kraft der Arbeiten hervorhebt.

Zu sehen sein werden in der Ausstellung daher selbstverständlich Modelle für den Altar des Domes, die dessen Genese zeigen, sowie für die Tabernakelstele und auch Entwürfe sowie Studien für die Wandgestaltung im Hochchor. Damit wird ein Stück der Ausstattungsgeschichte der Würzburger Kathedrale anschaulich nachvollziehbar.

Mit dem Entwurfsprozess ging für Albert Schilling eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Sinn und Wesen der gottesdienstlichen Orte einher, die er auch schriftlich niederlegte. Er bezeichnete den Altar als „verdichtetes Raumzentrum“ und sah Portal, Ambo und Altar nicht als „Ausstattungsgegenstände“. Vom Bildhauer fordert er daher: „Er hat nicht die Dinge vor allem ‚schön‘ zu machen, sie zu ‚verzieren“, sondern er hat sie von ihrem Wesen her zu realisieren.“ Das hat er im Würzburger Dom in aller Konsequenz umgesetzt und wurde dabei von seinen Zeitgenossen gründlich missverstanden. 1966 – noch vor der Domweihe – tobte in Würzburg nämlich ein Streit über die Arbeiten Schillings.

Ergänzt und erweitert wird die Darstellung durch eine Gruppe von Arbeiten, die Albert Schilling aus den Resten des Lahnmarmors des Würzburger Auftrages schuf. Er wurde dadurch zu freien, abstrakten Arbeiten angeregt, deren Reduktion von beeindruckender Konsequenz ist. Es sind weitgehend organische Formen, die einen inneren Raum, eine Höhle, etwas Bergendes zum Ausdruck bringen. In Titeln wie „Introvertierter Stein“, oder „Gehölter Stein“ und „Mythische Räume“ klingt dies an. Die gezeigten Zinn/ Blei-Güsse waren für Albert Schilling keine eigentlichen Skulpturen, sondern Modelle für große raumgreifende und landschaftsbildende Arbeiten. Sie sind nichtsdestotrotz ein mitunter auch intimer Ausdruck seiner Geistigkeit und seines Schaffens.

Es ist ein seltenes Glück, dass beinahe 50 Jahre nach der Altarweihe eine der zentralen künstlerischen Gestalten des Wiederaufbaues des Domes mit ihrem Schaffen präsentiert werden kann. Die Klarheit, Echtheit und auch Schlichtheit der Arbeiten spricht den Betrachter heute noch unmittelbar an, so wie es die Altarraumgestaltung des Domes nach wie vor auch tut. Die Arbeiten Albert Schillings haben daher zu keiner Zeit etwas von ihrer Aktualität eingebüßt.

Begleitprogramm

über die Ausstellung

Mi 13.05. Ausstellungsbeginn

So 17.05. | 15:00 Uhr Führung

Mi 20.05. | 14:00 Uhr Führung für Senioren

Sa 23.05. | 15:00 Uhr Führung für Kinder ab 6 Jahren

Mo 25.05. | 15:00 Uhr Führung

So 14.06. | 15:00 Uhr Führung

Do 18.06. | 19:30 Uhr Führung mit Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen

So 28.06. | 15:00 Uhr Führung

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag
10:00 - 18:00 Uhr
Montags geschlossen

Preise

Einzelkarte: € 3,50
ermäßigt € 2,50 (auch bei Vorlage eines DB-Fahrscheins)
Veranstaltungen € 2,00 zzgl. Eintritt

Kombikarte € 4,50 (Museum am Dom und Domschatz)
ermäßigt € 3,50
Verbundkarte € 7,50 (Domschatz, Museum am Dom, Museum im Kulturspeicher und Mainfränkisches Museum)

Führungen

Die Teilnahme an den Führungen kostet zusätzlich zum Eintritt € 2,00, die Führungen für Kinder kosten pauschal € 3,00.

Gruppenführungen € 60,00 (zzgl. Eintritt)

Lage

Das Museum am Dom befindet sich direkt neben dem Kiliansdom im Kilianshaus. Es ist vom Würzburger Hauptbahnhof aus mit den Straßenbahnlinien 1, 3 und 5 (Haltestelle „Dom“) oder in ca. 15 Minuten zu Fuß zu erreichen. Parkmöglichkeiten gibt es am Paradeplatz hinter dem Dom oder auf dem Parkplatz vor der Residenz. Klicken Sie auf den Lageplan, um ihn zu vergrößern und auszudrucken.

Informationen und Buchung von Gruppenführungen

Museum am Dom
Kiliansplatz 1
97070 Würzburg
Telefon 0931- 386 65 600
und 0931- 386 65 601
Telefax 0931-386 65 609
www.museum-am-dom.de
museen@bistum-wuerzburg.de